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Licht als Medium

Ein Interview mit Timon und Melchior Grau über ihren künstlerischen Umgang mit Licht und neue Perspektiven für das Unternehmen.

Der Designer Tobias Grau öffnet eine weitere Tür, durch die er nicht nur ein Novum reicht. Eine ganz neue Art Leuchte: SALT&PEPPER — mobil, smart und wundersam schön. Er öffnet die Tür auch für eine neue Ära, die viele Aspekte dieser Leuchte mitnimmt. Seine Söhne Timon und Melchior Grau übernehmen die Geschäftsführung.

1987 gründeten Franziska und Tobias Grau die Marke. Sie bauten eine Organisation auf, die Innovation, zukunftsfähiges Design und Ganzheitlichkeit symbolisiert. Da liegt es auch nahe, dass sie ihre Kinder schon früh in den Diskurs über Design und Licht per se einbezogen: Wie fühlst Du dich, in diesem Licht? Was macht eine gute Leuchte aus?

Ähnlich wie die Eltern, absolvieren Timon und Melchior Grau ein Wirtschaftsstudium — zusammen. Gleichzeitig malen sie expressive Bilder und studieren daraufhin Kunst, als Duo. Sie beschreiben sich als ein auf Werten basierendes Team mit einer gemeinsamen Vision. Der lebendige Dialog ist für sie das wichtigste Werkzeug ihrer Arbeit. Im Austausch entsteht Neues, wird kritisch balanciert, beleuchtet und gefeiert. Zusammen übernehmen sie nun das Unternehmen.

Wie wurdet ihr aktiver Teil des Unternehmens?

Unser Eintreten in das Unternehmen war ein organischer Prozess. Es begann mit einer Performance, die wir 2016 in Athen gemacht haben. In der Performance bewegten wir uns beide frei durch den Ausstellungsraum. Wir waren konstant in Bewegung und gaben der:m Betrachter:in die Chance, ihre:seine Wahrnehmung von uns als lebendiges Objekt immer wieder zu verändern.

Timon und Melchior während ihrer Performance “Time is only movement” in Athen, 2016.
Fotografiert von Lukas Panek

In Anlehnung an die Performance entwarfen wir PARROT. Die mobile Leuchte ist eine Abstraktion der menschlichen Figur und dabei vielseitig transformierbar, so dass ihre Haltung immer eine andere ist. Ihr Körper verändert sich, ihr Kopf dreht sich, als vitales Licht bewegt sie sich durch den Raum. Wir wollten eine Leuchte entwickeln, die mal am Bett, mal in der Küche oder auf dem Balkon genutzt wird. Eine Leuchte, die frei und somit ständig in neuer Wahrnehmung und Beziehung zu dir ist. 

Durch die Entwicklung und Vermarktung der PARROT lernten wir die unterschiedlichen Bereiche und Prozesse des Unternehmens kennen. Innerhalb kurzer Zeit waren wir inmitten aller Abläufe und verstanden, dass das Weiterführen der Marke Tobias Grau eine ganzheitliche Betrachtung braucht.

Wir gaben immer mehr neue Impulse in das Unternehmen und unser Interesse wuchs, die gesamtheitliche Arbeit als Aufgabe anzunehmen. In dieser Dynamik übertrugen Tobias und Franziska uns zunächst die Kreativleitung. Da das Unternehmen schon immer holistisch geführt wurde, haben wir dann auch 2021 die geschäftsführerische Verantwortung für das Handeln und die Vision übernommen.

Timon und Melchior mit Parrot, fotografiert von Alessio Bolzoni

Nach Eurem Studium der Volkswirtschaftslehre, habt ihr bei namhaften Positionen der zeitgenössischen Kunst studiert und gelernt. Wer und was hat Euch nachhaltig geprägt?

Wenn wir über unsere Ausbildung reflektieren, ist wichtig zu erwähnen, dass es nicht eine einzelne Person, sondern eine ganze Reihe von Persönlichkeiten war, von denen wir geprägt wurden. Was sie alle eint, ist ihre Rolle als Aktivisten. Was wir von Ai Weiwei, Hito Steyerl und Wolfgang Tillmans gelernt haben, ist künstlerische Arbeit zu nutzen, um für Werte einzustehen und eine Veränderung zu inspirieren. Ihre Arbeit hat durch den konkreten Bezug auf die Gesellschaft und das Leben ein angewandtes, praktisches Ziel. 

Der Künstler Willem de Rooij hat uns in seiner Rolle als Leader und Mentor an der Städelschule nachhaltig beeindruckt. Dort wurde ein Netzwerk und Plattform geschaffen, in der jede:r einzelne empowert und herausgefordert wird, einen eigenen Ausdruck zu finden, während — oder gerade, weil man sich in permanenter Reibung und Inspiration mit den Anderen befindet.

Wir interessieren uns für diese Art von Kollaboration: den Austausch individueller Perspektiven. Auf dieser Basis werden gemeinsame Werte kultiviert. Die daraus resultierende Energie wird die Arbeit in unserer Organisation bestimmen.

Wo befindet ihr Euch, im Spektrum zwischen Kunst und Design? Welche Rolle nimmt das Medium Licht dabei ein?

Mit dem Ready-Made von Marcel Duchamp fand Anfang des Jahrhunderts eine Verschiebung der Wahrnehmung von Kunst statt, der Betrachter wird ein Teil der künstlerischen Arbeit. Du bist empowert und gefordert deine Perspektive auf die Dinge zu reflektieren. Politische Kunst möchte die Gesellschaft verändern und neue Blickwinkel eröffnen.

Uns interessiert der Raum zwischen Menschen und ihren verschiedenen Perspektiven. Licht ist ein Medium, das genau diese Zwischenräume aktiviert. Licht bringt uns zum Leuchten, bleibt dabei aber selber abstrakt. Mit Licht können wir genau diese Wahrnehmungen und Beziehungen mitgestalten.

Links: Kiss, Lichtskulptur auf der Biennale de l’Image en Mouvement, 2021 Foto von Johann Clausen – Rechts: Foto von Paul Hutchinson

Wir arbeiten mit Licht in unterschiedlichen Kontexten, aber die Quelle und Motivation ist dieselbe. Uns fasziniert eine expressive Ausstellung im Museum, eine lebendige Skulptur fürs Zuhause, oder das Licht an deinem Arbeitsplatz, an dem du den Großteil deiner Lebenszeit verbringst.

Wie führen zwei Künstler ein Unternehmen?

Unseren kleinen, aber wichtigen Einfluss auf die Welt wollen wir nutzen und einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Unsere Werte und Haltung zu Arbeit sind definitiv motiviert davon, Künstler zu sein. Wir werden also mit größtmöglichem Horizont, sinnlicher Betrachtung und am Menschen orientiert arbeiten und die Organisation leiten.

Timon und Melchior am GRAU Campus, 2022
Foto von Marcus Glahn

Was wir zu zweit gestartet haben, führen wir jetzt mit einem größeren Team fort. Dabei fasziniert uns Kollaboration: wir wollen Strukturen schaffen, in denen unterschiedliche Talente ihren Ausdruck finden und wo wir als Team einander helfen, kritisch zu bleiben. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir in Zusammenarbeit mit anderen Menschen Größeres erreichen können.

Auf dieser Basis fragen wir uns “Können Unternehmen mit den Maßstäben der Kunst geführt werden? Oder müssen sie das sogar?”

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